21.10.2026: Schüler tunen Rollatoren für ein Seniorenheim

Ausgediente Rollatoren haben dank eines Generationen-verbindenden Projektes des KAG Westerburg ein neues Leben bekommen: An drei Tagen haben sich 13 Schüler beim „Rollatorentuning“ ausgiebig mit diesen Gehhilfen beschäftigt, sind mit diesen selbst eine Strecke gefahren, haben Regeln zum Benutzen der Rollatoren aufgestellt, sie aufgehübscht und schließlich beim Sommerfest damit Spenden eingesammelt.

Nun waren die getunten Rollatoren, die aus dem Seniorenheim in Neustadt bei Rennerod, das als Villa Sonnenmond einst von Birgit und Helmut Becher gegründet wurde und heute „newcare home Neustadt“ heißt, ausgestellt.

Und nicht nur das: Beim Sommerfest des Pflegeheims waren zwei Schülerinnen mit ihrer Lehrerin Nicole Pauly-Marz und Johannes Wisser, der das Projekt anregte, im Haus und trafen die „Omas und Opas“ wieder, die sie bei einem Besuch im Sommer schon kennengelernt hatten. Sie kamen nicht mit leeren Händen, sondern hatten Geschenke mitgebracht, die neben einigen getunten Rollatoren nun in dem Seniorenheim verbleiben werden.

Doch der Reihe nach. Am ersten Projekttag wurden in der Schule die ausgedienten Rollatoren umgestaltet. Mia Kubig wollte damit an ihre vor Kurzem verstorbene Oma erinnern und schmückte den Rollator mit Blumen und einer liebevollen Aufschrift. Dass es gar nicht so einfach ist, mit so einer Gehhilfe zu fahren, merkte sie während des Schulfestes. Ihre Freundin Marla Schuhmann band Schleifen um ihren Gehwagen, besprühte ihn mit Farbe und funktionierte ihn zum rollenden Bücherregal um. Für sie war es die erste Begegnung mit einem Rollator, als sie beim Rollatorrennen mitmachte. Andere Schüler gestalteten ihre Wagen mit Fußballmotiven, und einer wurde kurzerhand zu einer funktionierenden Zitronenpresse umgebaut.

Am zweiten Projekttag fuhr das Projektteam ins Seniorenheim, wo eine Gesprächs- und Spielerunde mit den Senioren anstand sowie ein Gang durch das Seniorenheim mit Verköstigung. „Ich finde schön, dass das hier wie ein Dorf aufgebaut ist“, meinte Mia nun bei der Ausstellungseröffnung. Das Gespräch mit den Bewohnern fand sie lustig, da diese Geschichten aus der Kindheit erzählten und auch so seltsame Wörter wie „Kneipchen“ erklärten.

Am dritten Projekttag wurden vormittags Plakate zur Ausstellung für das Sommerfest gestaltet. Am Nachmittag gab es dann ein Rollatoren-Rennen, die gebauten und getunten Rollatoren wurden bei diesem Schulfest gezeigt und Spenden durch den Verkauf von selbst hergestellten Erfrischungsgetränken (unter anderem am Zitronenstand-Rollator) gesammelt.

Wie Pauly-Marz berichtete, wurden von den 256 Euro Spendeneinnahmen große Holzspiele für die Senioren gekauft, darunter: „Mensch ärgere dich nicht“ in Großformat, ein megagroßes Domino-Set, ein Kegel-Set aus Holz, ein Tisch-Hockey, ein Tischkicker, ein großes Erinnerungsquiz in Heftformat, Holzlegepuzzle speziell für an Demenz Erkrankte sowie eine Holzspielesammlung (Mikado, Wackelturm, Vier-in-einer-Reihe, Tic Tac Toe). Bei der Ausstellungseröffnung während des Sommerfestes wurden diese nun übergeben.

„Das ist ein charmantes Projekt“, freute sich Einrichtungsleiter Stefan Solle. Er erklärte, dass die Hilfsmittel personenbezogen seien und nicht alle weiterverwendet werden können, wenn der Besitzer sie nicht mehr nutzen kann. Das Schöne, so betonte Johannes Wisser, sei, dass es bei dem Projekt nicht nur ums Recycling gegangen sei. Die Teilnehmer lernten, wie Rollatoren funktionieren und welche Hilfe sie in der Mobilität sind – aber ebenso, was es für einen Menschen bedeutet, darauf angewiesen zu sein. „Man zeigt damit ja auch, dass man Hilfsmöglichkeiten braucht und alt ist“, so der Seelsorger.

Wie die Lehrerin erzählte, sollen die Rollatoren nun auch weiterhin sinnvoll genutzt werden – beispielsweise in der Schulbibliothek, um Bücher leichter zu transportieren. Zwei ausgestellte Exemplare wurden zudem von Schülern der Wilhelm-Albrecht-Schule Höhn gestaltet.

Diese Schüler waren dabei

Am Projekt teilgenommen haben: Toni Bonath, Niclas Diener, Fritz Dräger, Leni Frensch, Levi Frink, Aron Hasani, Noah Hessel, Lio Hölper, Mia-Elaine Kubig, Tom Martschauske, Leonard Schell, Marla Schuhmann und Elisabeth Sturm (alle im Schuljahr 2025/26 in der Klassenstufe 5 und 6).

Bilder: Nicole Pauly-Marz

Text: Angela Baumeier